Freitag, 31. August 2012

Geschichte Grundkurs

Heute standen alle Touristenattraktionen auf dem Plan, die ich gestern noch nicht besucht habe. Das hieß im Allgemeinen: Killing Fields, S-21 und den Königspalast besuchen.
Kaum bin ich aus dem Haus getreten, ergab sich wieder folgendes Spiel: die Tuk Tukfahrer sprechen einen an, ob man irgendwo hin will und versuchen dich zu überreden, dass du unbedingt mit denen mitfahren musst.
Dieser Tuk Tukfahrer war sehr hartnäckig. Ich schaffte es immerhin, den Preis von 15$ auf 10$ zu senken und dabei noch einen Zwischenstopp bei einer Bäckerei zu fordern. Danach ging es auch schon los.
Für ca. 1€ holte ich mir diverse Gebäckteilchen beim Bäcker, ein weiterer Indiz für die französische Besetzung von Kambodscha. Die Häuser haben einen französischen Baustil, die Straßen tragen französische Namen und überall gibt es Baguette.
Vielleicht sollte an dieser Stelle ein kleiner Geschichtsexkurs für die Unwissenden, bevor ich weiter erzähle, was ich heute gesehen habe.
Kambodscha hat schon einige Höhen und Tiefen hinter sich: französische Besatzung, Vietnamkrieg, Kriege mit Thailand etc.
Da es zu sehr ausufern würde, wenn ich jetzt die ganze Geschichte von Kambodscha schreibe, versuche ich es kurz zu fassen:
In den 1950ern hat sich die Rote Khmer, die kommunistische Partei von Kambodscha gegründet und wurde in den 1975 stärker, da sie in diesem Jahr Phnom Penh einnahmen. In Folge dessen musste der König abdanken und wurde unter Hausarrest gestellt. Pol Pot wurde der neue Anführer. Seine Idee war es, die bestehende Gesellschaft in Kambodscha zu ändern. In Folge dessen wurden alle Menschen aus Phnom Penh rausgejagt und mussten dann auf dem Lande arbeiten, wo es wenig Essen und Trinken gab. Weiterhin wurden Intellektuelle nicht gedulden und wurden ins Gefängnis gebracht und dann umgebracht. Gleiches galt auch für Menschen, die verdächtig waren und gefährlich für das Regime sein könnten. Da reichte dann auch eine kleine Mitteilung von einem Nachbarn und schon wurde ein Unschuldiger verurteilt. Die meisten Verurteilten kamen dann zu den sogenannten Killing Fields, in dem ihr Leben ein klägliches Ende nahm.
Ich war heute zunächst bei dem Killing Fields von Phnom Penh. Heute sind die Hütten nicht mehr zu sehen, dafür gibt es einen großen Mahnturm, der mit vielen Schädeln und Knochen der Verstorbenen gefüllt ist. Die Gräber sind heute nur noch Gruben im Boden, da sie die meisten ausgehoben haben. Allerdings sieht man überall auf dem Boden noch Knochen und Kleidungsstücke, da der Regen diese aus der Erde nach oben schwemmen lässt. Am schlimmsten fand ich einen Baum, der zum Töten der Babies und Kleinkinder genommen wurde. Die Khmer hat auch keine Waffen zum Töten genutzt, da sie zu teuer sind, sondern Farmutensilien. Schlimmer fand ich dann jedoch noch ein Bild, dass ich im Museum gesehen habe, auf dem ein Soldat ein Kind in die Luft warf und der andere zielte.

Mahnturm bei den Killing Fields

Danach ging es zu dem Gefängnis, in dem die Menschen gefangen genommen, gefoltert und verurteilt wurden. Man konnte die Zellen besichtigen und mit Hilfe von vielen Fotos und Wandtafeln wurde einem alles detailliert geschildert. Außerdem gab es viele Augenzeugen berichte. Demnach waren die Leute froh, als die Khmer Phnom Penh einnahm, da sie dachten, dass der Vietnamkrieg vorbei ist. Außerdem konnte man noch lesen, wie das Leben im Gefängnis war.
Am Ende habe ich noch einen Überlebenden getroffen, der mir sein Buch verkaufen wollte. Ich hatte allerdings keins genommen, da hat er dann ganz traurig weggeschaut.
Als nächstes ließ ich mich von meinem Tuk Tukfahrer am Königspalat absetzen. Da ist es mit den bettelnden Kindern am schlimmsten. Sobald man ein bisschen rumläuft, kommen sie und wollen dir Wasser, Bücher oder Armbänder verkaufen. So erging es mir natürlich auch wieder. Aber es ist eine gute Strategie, alle auf später zu vertrösten. Zunächst wollte ich auch noch mein Busticket für morgen kaufen, da es morgen weiter nach Siam Reap geht. Für einen relativ guten Preis habe ich sogar noch eins bekommen und fahre morgen früh los.
Danach ging es zurück zum Palast, welcher jedoch noch geschlossen hatte. Natürlich machte ich gleich wieder Freundschaft mit den Straßenkindern. Es ist allerdings sehr erstaunlich, wie gut sie alle Englisch sprechen können und mit einem diskutieren können.
Der Palast ist, wie doch eigentlich von den asiatischen Gebäuden gewohnt, sehr pompös und meiner Meinung nach wieder wunderschön. Ich habe zudem noch die silberne Pagoda gesehen, die den Smaragdbuddha beherbergt. Der König war leider nicht da.




Silberne Pagoda
Danach habe ich einen langen Spaziergang zurück zum Hostel gemacht und bin gleich in den Pool gesprungen und habe einige Runden gedreht.
Zum Abendbrot bin ich zu einem Straßenstand um die Ecke gegangen. Leider konnte mir keiner erklären, was die einzelnen Gerichte in den Pfannen sind, deswegen habe ich zwei probiert. Das eine war Hühnerknochen mit Spinat, Erdnüsse und Spinat (denke ich) und das andere waren nicht Nudeln, sondern geraspelter Ingwer mit Huhn (ohne Knochen; weiß ich). Zum Glück war alles auch sehr schön scharf, sodass mir der Mund gleich nach dem 2. oder 3. Bissen brannte und ich kaum noch etwas schmeckte.
Bei der Bezahlung hatte ich dann auf einmal eine neue Mama. Die Mutter der Familie wollte mich garnicht gehen lassen und war ganz erstaunt, wie groß ich bin und wie weiß meine Haut ist. Sie hat mir dann die ganze Zeit die Schultern massiert und sich an mich geklammert. Ich habe leider nicht verstanden, was sie gesagt hat, aber Lachen und Lächeln reichen ja auch zur Kommunikation.
Danach habe ich bei einer alten Frau noch Waffelröllchen mit schwarzem Sesam gekauft, sehr lecker.



Nun sitze ich wieder im Hostel, schaue Film, höre dazu unpassende Musik und ruhe mich aus.

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